Der liturgische Kalender

Verkündigung des Herrn (25. März)


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Nicht sehr hoch im Kurs steht bei vielen unserer Zeitgenossen das Fest der Verkündigung des Herrn, das des Augenblickes gedenkt, an dem die Jungfrau Maria ohne Zutun eines Mannes den Erlöser empfing. Theologen wie Eugen Drewermann und Uta Ranke-Heinemann schießen sich geradezu in ihrer entstellenden Kritik auf dieses Fest ein. Es sei Aberglaube und dem so genannten "modernen Menschen", wer immer das auch sein mag, nicht zuzumuten.
Nun, Christen sind weder moderne noch unmoderne Menschen, sondern Menschen, die der Wahrheit verpflichtet sind und akzeptieren, dass Gott in diese Welt eingreift, auch dort, wo wir mit unserem naturwissenschaftlichen Latein am Ende sind. Gehen wir daher als Christen ein wenig dem Ereignis der Verkündigung des Herrn nach und versuchen wir, seine Bedeutung zu ergründen.
Lukas und Matthäus berichten übereinstimmend, dass Jesus Christus nicht wie jeder andere Mensch entstand, sondern von Maria, der Jungfrau, geboren wurde. "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" (Lk 2,34), ist die menschliche, verständliche Reaktion der Gottesmutter auf die Botschaft des Engels. Dieser antwortet ihr: "Der Heilige Geist wird dich überschatten" (Lk 2,35). Frei und souverän greift Gott in diese Welt ein. Er setzt unmittelbar eine neue Wirklichkeit. Durch das Wirken des Heiligen Geistes nimmt der Gottessohn im Leib der Gottesmutter Fleisch an. Hier beginnt die Neuschöpfung, die Erlösung, die erst am Ende der Tage vollendet sein wird. Die Welt ist nicht in der Lage, sich selbst aus Sünde, Schuld und Tod zu befreien, sondern bedarf der Rettung durch Gott. "Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist" (Lk 19,10). Die jungfräuliche Empfängnis macht deutlich, dass Erlösung kein Werk besonders guter und begabter Menschen, sondern souveränes und unverdientes Werk Gottes ist, der seinen Sohn in die Welt sendet. Mit all unserem Einsatz für eine gerechtere Welt können wir sie nicht von ihrer Zerrissenheit durch menschliche Schuld und Sünde befreien. Unserer Machbarkeit sind hier Grenzen gesetzt, die nur von Gott überwunden werden können. Doch dieses freie Wirken Gottes, das allein Heil und Rettung bringt, geht nicht einfach an den Menschen vorbei, sondern fordert unsere Mitarbeit. Auch das wird im Fest der Verkündigung deutlich.
Die Verkündigung des Herrn wirft ein Licht auf unsere menschliche Mitwirkung an der Erlösung. Gott "stülpt" uns nicht einfach die Erlösung über, sondern bindet sein Kommen in die Welt an die Zustimmung einer menschlichen Person, an Maria. An entscheidender Stelle der Heilsgeschichte sagt eine Person stellvertretend für die ganze Menschheit: "Mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,38). Durch ihr Ja, ihre Zustimmung zum Willen Gottes, wird der Gottessohn Mensch, kommt das Heil in die Welt. Das Wirken Gottes setzt ihren Willen nicht einfach außer Kraft, sondern bezieht ihn ein. Gott bindet sich an ihre freie Zustimmung zu seinem Willen. Hier zeigt sich Gottes ungeheurer Respekt vor der menschlichen Freiheit. Was Maria an einzigartigem geschichtlichen Platz getan hat, wird uns damit zu Vorbild und Orientierung. Gottes Heilswirken an uns ruft zu unserer Mitarbeit und Bereitschaft. Beistand und Kraft Jesu Christi können in uns nur Frucht bringen, wenn wir Ihm unser gläubiges Ja geben.
So wird deutlich, dass das Fest der Verkündigung des Herrn keineswegs ein unbedeutendes "Rand-Dogma" feiert. Dieses Geschehen zeigt, dass unsere Erlösung freies Gnadengeschenk Gottes ist und uns zugleich zur Mitwirkung ruft. Es wirft ein Licht auf das gesamte Werk der Erlösung, das mit der Verkündigung des Herrn beginnt und mit seiner Wiederkunft am Ende der Tage vollendet ist.
Die Muttergottes ist uns eine gute Fürsprecherin, die uns hilft, dass wir mit ganzem Herzen Gottes Ruf mit unserem "Mir geschehe nach deinem Wort" beantworten.

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