Von Dekan Ludwig Gschwind
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"Tor! Tor!", brüllen die Fans im Stadion. Keinen hält es mehr auf seinem Sitz. Sie sind aufgesprungen, und im Stehen jubeln sie der erfolgreichen Mannschaft zu. Man braucht keinem Fan zu sagen: "Wenn ein Tor fällt, musst du aufstehen, am besten auspringen und mitbrüllen." Er wird einfach mitgerissen. Die ganze Atmosphäre lässt gar kein anderes Verhalten zu. Wer nicht begeistert aufspringt, gehört nicht dazu. Er ist entweder von den Gegnern oder hat sich schlichtweg verlaufen.
Ganz anders ist die Situation, wenn der Bundespräsident den Bundestag bei einem offiziellen Anlass betritt. Die Abgeordneten aller Fraktionen erheben sich von den Plätzen. Sie wollen damit das Staatsoberhaupt ehren. Sie bekunden durch ihr Aufstehen dem hohen Gast ihre Achtung.
Stehend legen die Minister ihren Amtseid ab. Stehend empfangen sie ihre Ernennungsurkunde. Stehend spricht das Brautpaar sein "Ja-Wort" vor dem Traualtar. Begeisterung, Hochachtung, Feierlichkeit, das alles kann durch das Stehen ausgedrückt werden. Wie ist es nun mit dem Stehen beim Gottesdienst? Es gab Zeiten, in denen man während des ganzen Gottesdienstes stand. Damals kannte man noch keine Kniebänke, und man verzichtete auch auf Sitzbänke. Später, als man immer häufiger und länger kniete, pflege man das Stehen vor allem in der österlichen Zeit. Man wollte sagen: Die Auferstehung Jesu muss jeden vor Freude aufspringen lassen. Das darf keinen sitzen lassen.
Wenn man den Ablauf des Gottesdienstes betrachtet, so lassen sich auch hier die Elemente der Freude, der Hochachtung und der Feierlichkeit ablesen.
Am Beginn der Messe stehen wir. Wir stehen auf, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen. Man könnte an die Israeliten denken, die stehenden Fußes das Paschamahl vor dem Auszug aus Ägypten hielten. Sie waren bereit zum Aufbruch in eine ungewisse Zukunft. Jede Heilige Messe hat etwas von einem Aufbruch. Das Ziel der Israeliten war das Gelobte Land. Unser Ziel ist der Himmel.
Wenn wir dann in das "Gloria", das "Ehre sei Gott" einstimmen, müsste uns dies, selbst wenn wir versucht sind, uns zu setzen, erneut emporreißen, denn man kann doch nicht rufen: "Wir loben dich. Wir preisen dich. Wir beten dich an", nachdem wir es uns recht bequem gemacht haben. Beim feierlichen Amt habe ich immer ein schlechtes Gewissen, mich beim Gloria hinzusetzen und den Kirchenchor allein stehen zu lassen. Der Kirchenchor singt jugelnd "Laudamus te. Benedictus te. Adoramus te." Das kann man nicht nur anhören, das muss man mitbeten. Hat man nicht das Bild von Weihnachten vor Augen? Engel jubilieren. Menschen machen sich auf zur Krippe. Nur die Schriftgelehrten sitzen über ihren Büchern und merken nicht, was geschehen ist. Nur die Reichen liegen in ihren Betten und verschlafen die Stunde des Heils.
Kann man das Evangelium, die frohe Botschaft, anders als stehend hören? Jesus spricht zu uns. Wir dürfen bei Jesus sein. Sein Wort trifft in unser Leben. Wir stehen aus Freude, aber auch aus Ehrfurcht.
Dass man zum Glaubensbekenntnis aufsteht, hängt damit zusammen, dass man klar zum Ausdruck bringen will: Für meinen Glauben stehe ich ein. Nichts soll mich umwerfen. Und heißt es dann "Erhebet die Herzen", kann man gar nicht anders, als sich vom Platz zu erheben, um in das Dankgebet des Priesters einzustimmen und beim Sanctus mitzusingen.
Wenn der Priester uns einlädt, das Gebet des Herrn, das Vaterunser mit ihm zu beten, dann sind wir bereits beim Amen, mit dem das Hochgebet seinen Abschluss findet, aufgestanden. Hier schwingt österliche Freude mit, wie auch der Gruß des Auferstandenen "Friede sei mit euch!", der an uns gerichtet ist, verdeutlicht.
Auch der stehende Kommunionempfang sollte nicht gegen das Knien ausgespielt werden. Das Stehen betont den österlichen Charakter des Sakramentes. Es ist Begegnung mit dem auferstandenen und erhöhten Herrn. Das Knien betont stärker die Ehrfurcht und die Anbetung.
Am Ende der Messe stehen wir erneut und werden hineingesandt in die Welt, um Zeugen für Christus zu sein. Vom hl. Franziskus wird erzählt, er habe eine so große Ehrfurcht für das Gebet und die Heilige Messe gehabt, dass er, obwohl er unter vielen Krankheiten litt, sich nie an eine Mauer anlehnte, immer sei er aufrecht gestanden. Wenn wir daran denken, vor wem wir stehen, dann dürfte es wirklich nicht gar zu schwer sein, Haltung anzunehmen.
Nächste Folge im August: "Nie ist man größer als wenn man kniet"
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