Nur Äußerlichkeiten?

Gefaltete Hände - Betende Hände (Folge 3)

Von Dekan Ludwig Gschwind

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"Beten!" sagt die Kleine vor dem Mittagessen. Sie ist noch keine drei Jahre alt, aber sie hebt ihre kleinen Patschhändchen auf, wie sie es von der Mutter gelernt hat. Sie wartet darauf, dass auch die anderen die Hände falten, um mit ihr zu beten. Sie sieht, wie der Vater die Finger beim Beten verschrnänkt und wie bei der Mutter die Finger nach oben zeigen. Sie probiert das eine wie das andere, um es dann doch so zu machen wie Mutter.
In vielen Häusern kann man Albrecht Dürers "Betende Hände" sehen. Es sind die gefalteten, abgearbeiteten Hände seiner Mutter. Diese Hände haben ihm übers Haar gestrichen und unzählige Male zu Essen gegeben. Diese Hände haben seine Hände gefaltet und ihn zur Kirche geführt. Und diese Hände haben sich immer wieder für ihn gefaltet. Der große Maler dankte der Mutter für ihr Beten und hat allen betenden Müttern ein Denkmal gesetzt.
Manche meinen, die Form der gefalteten Hände als "scheinheilig" und "frömmlerisch" abtun zu müssen, dabei hat diese Gebetshaltung ihren Ursprung in einer sehr männlichen Geste, denn wenn bei den Germanen ein Gefolgsmann seinem Herrn Treue und Gehorsam gelobte, dann legte er seine gefalteten Hände in die Hände seines Herrn. Damit versprach er, nicht die Hände gegen den Herrn zu ballen, nicht die Hand gegen den Herrn zum Kampf zu erheben.
Noch heute legt der Neupriester seine gefalteten Hände bei der Priesterweihe in die Hände seines Bischofs und verspricht ihm und seinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam.
Wenn wir mit gefalteten Händen beten, so wie der Priester und die Ministranten am Altar, dann legen wir die Hände gleichsam in die Hände Gottes. Wer seine Hände in die Hände Gottes legt, will sagen: "In deine Hände lege ich mein Geschick."
Neben dieser Form des Händefaltens gibt es auch noch eine weitere: die der verschränkten Finger. In dieser kraftvollen Haltung kommt der Wille zum Ausdruck: "Ich will mich zusammennehmen." Die arbeitenden Hände werden zur Ruhe gebracht: "Jetzt ruhe die Arbeit! Jetzt will ich beten."
Die Hände baumeln nicht kraftlos, lose verschränkt unter dem Bauch, sondern man hebt sie auf, d.h. in Brusthöhe. Erst dann wird eine Haltung daraus.
Als ein Kaplan seine Zweitklässler in die Kirche zur Krippe führte, fragte er sie: "Wer betet denn am schönsten?" Die Kinder betrachteten die einzelnen Figuren und waren sich einig: "Am schönsten betet die Muttergottes." Sie kniete an der Krippe, hielt die Hände aufrecht gefaltet, ehrfürchtiger als jeder Erstkommunikant. Am zweitbesten fanden die Kinder den hl. Josef. Er hielt die Hände wurzelhaft verflochten, wie es eben Männer beim Beten gerne tun. "Aber die hl. Dreikönige?", forschte der Kaplan weiter. "Die können nicht beten", meinten die Kinder entschieden. "So? Warum nicht?" "Die haben so viel Zeug in den Händen." "Was müssen sie denn machen?" "Die müssen erst alles dem Jesuskind geben, dann können die auch beten."

Nächste Folge: "Das kleine Kreuzzeichen"

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