Von Dekan Ludwig Gschwind
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"Ich wüsste nicht, wie ich beten sollte, ohne Einbeziehung des Leibes. Es gibt Perioden, in denen ich den Eindruck habe, als betete ich mehr mit dem Leib als mit dem Geist." Diese Erfahrung des Priors von Taize, Roger Schutz, haben wir sicher auch schon gemacht. Man hängt seinen Gedanken nach, ist unandächtig, da steht die Gemeinde zum Evangelium auf und wir mit. Wir werden aus unseren Gedanken und Träumereien geholt. Das Wort Gottes ergeht an uns.
Unsere Katechetin hat uns angeleitet, bei der Wandlung ein Kreuzzeichen zu machen und still zu beten, indem man dreimal an die Brust klopft: "Jesus, dir leb ich. Jesus, dir sterb ich. Jesus, dein bin ich im Leben und im Tod." Ich bin sicher, dass mir und vielen anderen dies geholfen hat, die heilige Wandlung andächtiger udn bewusster zu erleben. Man könnte auch beten: "Jesus, ich glaube an dich. Jesus, ich hoffe auf dich. Jesus, ich liebe dich." Oder ganz schlicht: "Jesus, ich bete dich an."
Das Knien, Stehen und Sitzen, das Kreuzzeichen, das Händefalten und das Klopfen an die Brust hat alles eine Bedeutung. Es will uns helfen, die hl. Messe gut mitzufeiern. Unsere äußere Haltung wirkt auf unsere innere Haltung. Wenn wir schlampig hinstehen, wenn wir unsere Hände kaum falten, wenn wir, und ich denke jetzt nicht an kranke Mitchristen, die meiste Zeit sitzen, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir kaum mitbeten und mitsingen, sondern mit Herz und Gedanken ganz weit fort sind. So sollte und so darf es nicht sein.
Es gibt gewisse Formen des Umgangs mit dem Mitmenschen: Man tritt einem Vorgesetzten nicht entgegen und hat dabei die Hände in den Hosentaschen. Man spricht nicht mit vollem Mund. Man geht nicht in ein Haus und setzt sich auf den nächstbesten Stuhl, ohne den Hausherrn zu begrüßen. Wer solche Formen, und es gibt noch viele mehr, nicht beachtet, hat keinen Anstand. Man hält sich solche Menschen am liebsten vom Leib.
Auch im Umgang mit Gott sollten wir bestimmte Regeln der Ehrfurcht beachten. Dazu gehört die Kniebeuge vor dem Allerheiligsten, wenn man in die Kirche kommt. Sollte man sich in seiner Bank nicht zuerst hinknien und den Herrn im Sakrament begrüßen, bevor man sich hinsetzt und sein Gebetbuch für den Gottesdienst bereitet, soweit dies möglich ist? Nicht immer fällt einem die Mitfeier der hl. Messe leicht, an solchen Tagen, an denen wir mehr äußerlich als innerlich dabei sind, werden wir, wenn wir unseren Körper bewusst in Zucht nehmen und uns nicht gehen lassen, erfahren, dass der Leib uns schließlich zum Beten führt. Das Äußere wirkt auf das Innere. Sollte selbst dies nicht geschehen, dann sollten wir daran denken, dass schon allein die Anwesenheit beim Gottesdienst ein Zeichen für unser Verlangen ist, Gott zu dienen.
Die bekannte Schauspielerin Ida Ehre erzählt in ihren Erinnerungen folgende Erfahrung aus dem Konzentrationslager: "Für mich kam es nie in Frage, mich fallenzulassen, mich aufzugeben. Die Befolgung von Formen, von Abläufen, gibt Halt. Als ich zum Beispiel in Fuhlsbüttel ankam, am ersten Tag merkte ich, daß niemand sich dort wusch. Sie hatten sich aufgegeben. Ich war es gewohnt, mich morgens und abends zu waschen. Vierzig Augenpaare ruhten auf mir. Das gewöhnt sie sich schon noch ab. Nach fünf Tagen begann die erste von ihnen, sich ebenfalls zu waschen, bis sie schließlich alle wuschen."
Die Befolgung von Formen, von Abläufen, gibt Halt! Es ist deshalb nicht gleichgültig, wie wir uns verhalten, wenn die Seele sich auf Gott ausrichtet. Der ganze Mensch soll Gott verehren. Leib und Seele beten ihn an. Manchmal wird der Leib vorbeten und die Seele nachbeten, ein andermal wird es umgekehrt sein. Wenn beide im Einklang stehen, dann wird auch das Gebet am innigsten. Das ist dann ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns in Gottes Ewigkeit erwartet, wenn wir mit Leib und Seele nach dem Jüngsten Tag Gott loben und preisen dürfen.
Nächste Folge im März: "Gefaltete Hände - betende Hände"
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