Nur Äußerlichkeiten?

Wir klopfen uns an die Brust (Folge 10)

Von Dekan Ludwig Gschwind

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Es ist eine wahre Freude, wenn ich sehe, wie unsere Kleinen, die Jungen und Mädchen in den ersten Bänken, sich beim Schuldbekenntnis an die Brust klopfen bei den Worten "durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld". So arg wie unsere Kinder braucht man sich nicht an die Brust zu schlagen, oder müssten wir es vielleicht sogar stärker als sie tun, denn was haben Kinder schon für Sünden? Der Mutter nicht gefolgt; den Vater angelogen; in der Schule nicht aufgepasst; andere geärgert; in der Kirche nicht brav gewesen. Ich will diese Sünden nicht verharmlosen, denn ein Kind leidet unter seinem Versagen nicht weniger als ein Erwachsener. Doch verglichen damit, schneiden wir "Großen" doppelt schlecht ab. Wir sündigen durch Nachlässigkeit beim Beten, haben zu wenig für die religiöse Erziehung unserer Kinder getan, geben ihnen manchmal ein schlechtes Beispiel, begegnen unserem Ehepartner mit wenig Verständnis, sind neidisch auf andere, erzählen jeden Tratsch weiter und achten die Ehre anderer wenig.
Und trotzdem meinen wir, es genüge schon, dies alles schnell mit den Worten "Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken" zu übergehen, sich dreimal mit spitzen Fingern an die Brust zu klopfen und damit wieder zur Tagesordnung und damit ins alte Gleis zurückzukehren. Müsste die geballte Faust, die sich bei Revolutionen gegen Obrigkeit, bei Demonstrationen gegen den politischen Gegner richtet, müsste diese geballte Faust nicht an die eigene Brust schlagen? Nicht die anderen, die Politiker, die Gesellschaft, die Erziehung sind schuld, sondern ich armer sündiger Mensch.
Es ist nicht mehr vorgesehen, sich beim "Lamm Gottes" an die Brust zu klopfen, trotzdem scheint es mir sehr sinnvoll, denn erneut bekennen wir uns als Sünder, die auf das Erbarmen Gottes angewiesen sind. Nicht versäumen aber sollten wir es, beim "Herr, ich bin nicht würdig", uns an die Brust zu klopfen. Der Glaube des Hauptmanns von Kapharnaum ist uns dabei Vorbild und das Beispiel jenes Zöllners, der ganz hinten im Tempel steht und nur das schlichte, aber ganz von Herzen kommende Stoßgebet spricht: "Gott, sei mir armen Sünder gnädig!" Auch der Zöllner klopfte bei diesem Gebet an die Brust. Man könnte auch an das Wort aus der Offenbarung des Johannes denken: "Seht, ich stehe vor der Tür und klopfe an." Jesus will in der hl. Kommunion bei uns einkehren.
Wenn wir im "Engel des Herrn" bei den Worten "Und das Wort ist Fleisch geworden" ebenfalls an die Brust klopfen, ist dies eine besondere Ehrfurchtsbezeugung. Man könnte an dieser Stelle auch eine Kniebeuge machen, wie wir es an den Festtagen beim "Et incarnatus est" des Credo tun. Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes lässt uns in die Knie sinken. Das Klopfen an die Brust ist somit beim "Angelus" eine "kleine Kniebeuge" und Ausdruck unserer Ehrfurcht.
Gerne klopfen wir uns, und dies mit Recht, bei dem kurzen Gebet: "Jesus, dir leb ich. Jesus, dir sterb ich. Jesus, dein bin ich, im Leben und im Tod" an die Brust. Der Glaube braucht Zeichen, er braucht Leiblichkeit. Je bewusster wir unseren Leib in unser Beten einbeziehen, umso inniger und tiefer werden wir beten. Das Klopfen an die Brust könnte auch als ein Wecken empfunden werden. Denn unsere Gedanken gehen, selbst während der Mund betet, oft ihre eigenen Wege. Das Pochen an die Brust ruft uns zu: "Denk jetzt nicht an anderes. Denke an Jesus. Denke daran, daß du vor Gott stehst!"

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