Nur Äußerlichkeiten?

Die Haltungen im Gottesdienst (Folge 1)

Von Dekan Ludwig Gschwind

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Der Dienst am Altar war in der frühen Kirche mit einer Weihe verbunden. Das so genannte "Akolythat" gehörte zu den "Niederen Weihen", die eine Vorstufe zu den Weihen des Subdiakonates, des Diakonates und schließlich der Priesterweihe bildeten. Die Akolythen durften wie die Leviten des Alten Testaments den Priestern beim hl Opfer zur Seite stehen. Das war von jeher eine hohe Auszeichnung. Bei uns hat sich für den Dienst des Akolythen der Name "Ministrant" eingbürgert. In diesem Wort steckt der "Minister". Minister nannte man die engsten Mitarbeiter der Könige. Sie hatten die verschiedensten Bereiche der Politik zu verantworten. Da gab es Minister des Äußeren und des Inneren, den Kriegsminister und den Finanzminister. Wenn sie beim König zur Audienz erschienen, mussten sie ein ganz bestimmtes Zeremoniell beachten. Schon wenn sie das Arbeitszimmer des Königs betraten, machten sie ein erstes Mal eine tiefe Verneigung, worauf der König sie einlud, näherzutreten Noch zwei weitere Male verneigte sich der Minister, bis er vor seinem König stand. Es war ein besonderes Zeichen der königlichen Huld, wenn er den Minister Platz nehmen ließ. Nie durfte er als erster das Wort an den König richten. War die Audienz beendet, dann entfernte sich der Minister wiederum mit drei tiefen Verneigungen; dabei war zu vermeiden, dem König den Rücken zuzukehren, deshalb ging er rückwärts.
Wurde ein Minister in den Adelssstand erhoben, kniete er vor dem König nieder, um den Ritterschlag und die Insignien seiner Würde zu empfangen. Alles war bis ins Kleinste geregelt. Das Hofzeremoniell war eine Wissenschaft für sich, aber wer es nicht beachtete, konnte darüber Amt und Würde verlieren.
Manches hat sich im Zeitalter der Demokratie gelockert, trotzdem gibt es auch heute bestimmte Regeln, die man - auch als Minister - beachten muss. Es gibt beim Bundespräsidenten einen eigenen Protokollchef, der darüber wacht, dass die Formen der Höflichkeit und Hochachtung eingehalten werden. Mancher Minister lässt sich von ihm instruieren, wie er sich bei bestimmten Gelegenheiten wie Staatsempfängen und Galadiners zu verhalten hat. Man fühlt sich sicherer, wenn man weiß, was jetzt zu tun ist und wie man sich zu verhalten hat, als wenn man dies von anderen abgucken muss.
Damit wären wir beim Ministrieren. Ein Ministrant darf beim höchsten Herrn dienen. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn er dauernd umschauen müsste, um sich zu vergewissern, ob er jetzt stehen, knien oder sitzen muss. Freilich sollte ein Ministrant den tieferen Sinn solcher Haltungen kennen, denn es handelt sich hierbei nicht nur um Äußerlichkeiten. Eine schlampige Kniebeuge, eine lässige Haltung beim Stehen, ein ein fahriges Kreuzzeichen, schlecht gefaltete Hände lassen darauf schließen, dass ein Ministrant sich der Größe seines Dienstes nicht bewusst ist. "Das Beste und Schönste für Gott", verlangt der hl. Pfarrer von Ars, Johannes Maria Vianney. Wir müssen unser Bestes geben, indem wir mit Herz und Verstand, mit Leib und Seele Gott dienen.

Nächste Folge im Februar: "Der Leib betet mit"

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