Am 17. Januar 1504 wurde Michele Ghislieri als Sohn einer armen Familie in Bosco bei Alessandria geboren. Schon früh erkannte er seine Berufung zum Priestertum unt trat mit 14 Jahren in den Dominikanerorden ein. Die Dominikaner widmeten sich nicht nur der Pflege des Gebetes und der Liturgie, sondern waren auch ein großer Predigerorden. Viele berühmte Prediger verkündeten den Menschen den Glauben der Kirche und traten so den Ansichten vieler Irrlehrer entgegen. Der hl. Thomas von Aquin, einer der größten Theologen und Philosophen des Mittelalters, ist wohl der bekannteste Vertreter des Dominikanerordens.
Auch Michele Ghislieri erhielt eine solche Ausbildung. Man berichtet von ihm, dass er stets strenge Askese (Abtötung) und harte Bußübungen verrichtete. Bald tat er sich als Prediger, Lehrer und Großinquisitor hervor. 1556 wurde er von dem strengen Reformpapst Paul IV. zum Bischof geweiht und erhielt das Bistum Nepi und Sutri, ein Jahr später folgte die Ernennung zum Kardinal. Unter dem Einfluß des hl. Karl Borromäus wählten ihn die Kardinäle 1566 zum Papst. Er nannte sich Pius V. (der Fromme).
Pius V. ist der erste große Papst der katholischen Restauration, wie kein zweiter verkörpert er die innerkirchliche Reform, die - ausgehend vom Trienter Konzil (1554 bis 1563) - das kirchliche Leben neu ordnete und viele Glaubenswahrheiten gegen die protestantische Reformation festschrieb und definierte. So versuchte er unermüdlich, die Dekrete des Konzils zu verwirklichen. Er ließ den Römischen Katechismus, das Brevier und das Messbuch neu bearbeiten und herausgeben.
Pius V. sah seine wichtigste Aufgabe darin, den Glauben gegen die Irrlehre zu verteidigen. So wurde die englische Königin Elisabeth I. 1570 als Häretikerin (Häresie = Abweichung von der kirchlichen Lehre) gebannt. Sie verlor ihre Macht und ihren Thron. Dies war das letzte Mal in der Geschichte, dass über einen regierenden Fürsten ein solches Urteil gefällt wurde. Diese Maßnahme des Papstes löste in England eine große Katholikenverfolgung aus, die viel Leid über die katholische Bevölkerung brachte.
1571 eroberten die türkischen Heere die Insel Cypern. Sie waren eine große Gefahr für die abendländische Christenheit. Papst Pius V. gelang es noch einmal, die romanischen Völker zu vereinen. Unter der Führung des Feldherrn Don Juan d'Austria kam es im Golf von Korinth bei Lepanto zu dem großen Seesieg über die Türken. Pius V. führte diesen Sieg auf die machtvolle Hilfe des Rosenkranzgebetes zurück und ordnete zum Dank das Rosenkranzfest an, das wir am 7. Oktober feiern.
Als ein Mensch mit einer ungeheuchtelten Frömmigkeit betrachtete er viele Dinge vom übernatürlichen Standpunkt aus. Politische Rücksicht und diplomatisches Verhalten galten ihm wenig. So führte seine Unerfahrenheit in Staatsangelegenheiten zu manchen Schwierigkeiten.
Aufgerieben durch sein Bußleben und seinen ausdauernden Kampf gegen die Schwierigkeiten der Zeit starb er am 1. Mai 1572 und wurde in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom beigesetzt.
Er wurde 1672 selig- und 1712 heiliggesprochen. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 30. April. Dargestellt wird er als Papst mit einem liturgischen Buch und, weil er das Rosenkranzfest einführte, auch mit einem Rosenkranz.
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