Das Kreuzzeichen: Eine kleine Predigt

Ein Glaubensbekenntnis mit der Hand

Von Kaplan Ulrich Filler

Linie

Das Kreuzzeichen begleitet uns Tag für Tag: Ob in der Messe, beim Mittagessen oder zum Abendgebet. Wir schlagen so häufig das Kreuz, dass wir oft gar nicht mehr darüber nachdenken, was es bedeutet. Oder wir machen es so nachlässig, dass es aussieht, als verjagen wir Mücken vor dem Gesicht.
Wie an jedem Mittwochnachmittag trafen sich auch heute die Messdiener der Gruppe "Don Bosco" bei Kaplan Hubert. "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!" Kaplan Hubert begann jede Gruppenstunde mit einem kurzen Gebet. Dann blickten ihn die Ministranten erwartungsvoll an. Oft erzählte der Kaplan eine spannende Geschichte oder erklärte ihnen etwas aus dem Bereich des Glaubens. Heute runzelte Kaplan Hubert die Stirn. "Ist euch schon mal aufgefallen, wie ihr das Kreuzzeichen macht? Ziemlich lässig, finde ich. Bei Martin sah das gerade eher wie ein krummes Fragezeichen aus!" Martin wurde ein bisschen rot. "Naja, Herr Kaplan, man macht das halt so oft..." sagte er. "Genau!" rief Kaplan Hubert. "Gerade die Sachen, die wir wie selbstverständlich tun, dürfen nicht einreißen! Das Kreuzzeichen ist ein gutes Beispiel dafür. Ihr solltet immer daran denken, dass ein andächtig geschlagenes Kreuzzeichen immer eine kleine Predigt ist." - "Eine kleine Predigt?" rief Michael. "Was predige ich denn mit dem Kreuzzeichen?" Kaplan Hubert sah in die Runde: "Einige Dinge wisst ihr bestimmt schon", sagte er schmunzelnd. "Jaja!" sagte Harald. "Ich glaube, es hat etwas mit der Taufe zu tun, weil man ja auch Weihwasser nimmt, wenn man das Kreuzzeichen macht." - "Das stimmt", sagte Kaplan Hubert. "Durch die Taufe sind wir ja aufgenommen worden in die Gemeinschaft der Kirche. Der heilige Paulus hat die Kirche einmal mit einem Leib verglichen: Christus ist das Haupt dieses Leibes und die Christen sind die Glieder an diesem geheimnisvollen Leib der Kirche. Durch die Taufe hat uns Christus berufen, ein solches Glied der Kirche zu werden. Und so, wie die Glieder des menschlichen Leibes verschiedene Aufgaben haben, so ist es auch mit den Gliedern der Kirche." - "Na klar!", sagte Bernhard. "Der Papst und die Bischöfe, das sind doch dann solche Glieder, oder?" Kaplan Hubert nickte. "Ja, wir alle haben als Glieder der Kirche eine bestimmte Aufgabe. Ob es der Dienst als Priester oder Bischof ist, oder ob es das Leben in einer Ehe und Familie ist, das alles sind unsere Aufgaben als Glieder der Kirche. Fallen euch noch andere Möglichkeiten ein?" Georg strahlte: "Aber klar doch: Ministranten! Das ist doch auch so ein Dienst für die Kirche!" - "Sicherlich", lächelte der Kaplan. "Alle Aufgaben und Berufe können ein solcher Dienst sein. Eigentlich soll unser ganzes Leben ein Dienst für Christus sein." - "Und das alles steckt im Kreuzzeichen drin?", sagte Oliver. "Das ist nur ein Teil", erklärte Kaplan Hubert. "Wenn wir das Kreuzzeichen machen, dann bekennen wir uns damit auch zu den wichtigsten Inhalten unseres Glaubens." - "Ich weiß!", meldete sich Toni zu Wort. "Ein wichtiger Punkt unseres Glaubens ist das Bekenntnis zu dem Dreifaltigen Gott!" Kaplan Hubert sagte: "Genau. Wir sprechen ja: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Damit bekennen wir, die Einheit und Dreifaltigkeit Gottes! Das nennt man auch das erste Hauptgeheimnis unseres Glaubens." - "Und das zweite Geheimnis?", fragte Anton. - "Vielleicht hat es etwas mit dem Tod Christi am Kreuz zu tun?", spekulierte Joachim. "Ganz genau", sagte Kaplan Hubert. "Wenn wir das Zeichen des Kreuzes machen, dann bekennen wir uns auch zu der Menschwerdung, dem Leiden und Sterben und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Das nennt man das zweite Hauptgeheimnis unseres Glauben." - "Das ist ja spannend", sagte Bernhard. "Dann will ich einmal versuchen, daran zu denken, wenn ich das nächste Mal das Kreuzzeichen mache."
Kaplan Hubert sagte: "Wir können das Kreuzzeichen deshalb auch ein Glaubenszeichen nennen - weil es uns auf die wichtigsten Inhalte unseres Glaubens hinweist. Das Kreuzzeichen ist aber auch ein Bekenntniszeichen!" - "Ein Bekenntiszeichen?", rätselte Simon. "Warum das denn?" - "Ist doch glasklar!", rief Martin: "Wir bekennen uns doch zu unserem katholischen Glauben, wenn wir das Kreuzzeichen machen!" - "Ja, aber manchmal fällt uns das nicht so leicht, oder?", fragte Kaplan Hubert. "Ja", sagte Georg nachdenklich. "Neulich war ich mit meinen Eltern in einem Restaurant. Da haben wir vor dem Essen kein Kreuzzeichen gemacht." - "Tja", sagte Kaplan Hubert. Manchen Leuten ist das eben peinlich, in der Öffentlichkeit das Kreuzzeichen zu machen. Aber vielleicht denken sie dann nicht daran, dass das Kreuzzeichen ein wichtiges Glaubens- und Bekenntniszeichen ist!" Alle nickten. "Deshalb sprachen sie also von einer kleinen Predigt", sagte Joachim nachdenklich. "Dann wollen wir wirklich einmal versuchen, das Kreuzzeichen langsam und andächtig zu machen, wenn wir damit auf all das hinweisen können: die Taufe, die Hauptgeheimnisse unseres Glaubens und dass wir zum Glauben stehen sollen."
Alle nickten. Jeder von ihnen würde sich das zu Herzen nehmen. Und tatsächlich sagte die alte Frau Schmitz am nächsten Tag zur Frau Bratenschwenker, dass die Minis aus der Gruppe "Don Bosco" das Kreuzzeichen bei der Messe besonders andächtig schlagen würden.

Linie
© redaktion@turibulum.de
Linie

« zurück