Warum ist es gut, ab und zu zu einer Wallfahrt aufzubrechen oder sich zum Beispiel vorzunehmen, beim kommenden Weltjugendtag in Köln mitzumachen
Warum ist es gut, sich ab und zu mit einem wirklich religiösen Thema zu beschäftigen, indem man z.B. einen Besinnungstag mitmacht, ein gutes Buch liest oder einen guten Vortrag hört? Warum ist es gut, zusammen mit anderen in die Kirche zu gehen und dort den Gottesdienst mitzufeiern?
Ein inzwischen verstorbener Bischof hat einmal die Antwort auf diese Fragen gegeben, indem er in seiner ihm eigenen Art meinte: Hier kann man wirklich einmal wieder "durchglauben"!
Das tut einem wirklich gut: wenn man etwas tun, wenn man etwas erleben darf, was einen wieder "durchglauben" lässt. Das kann eine Wallfahrt sein oder ein stimmungsvoller Gottesdienst oder auch das Erlebnis der Schöpfung Gottes in der freien Natur.
Für viele Jugendliche und Erwachsene wird das der Weltjugendtag 2005 in Köln sein. Das Motto dieses Ereignisses passt dazu: "Wir sind gekommen, Ihn anzubeten". Der Glaube führt zum Gebet, zur Anbetung. In der Anbetung kommt der Glaube zum Ziel. Ohne Gebet und Anbetung wäre der Glaube leer.
Wenn wir die Evangelien, besonders auch in der Osterzeit, lesen, dann müsste uns direkt ins Auge springen, wie oft vom Glauben die Rede ist:
- Schon am Ostersonntag wird uns berichtet, wie Petrus und Johannes zum Grab laufen und wie sie es leer finden; von Johannes wird gesagt, als er ins Grab hineingegangen war: "Er sah und glaubte" (Joh 20,8).
- Am Ostermontag fragt Jesus die beiden Emmausjünger, die sich mit ihm unterhalten, ohne ihn zu erkennen: "Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben?" (Lk 24,25).
- Am Weißen Sonntag geht es jedesmal um den Glauben des Apostels Thomas. "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben", wird ihm gesagt (Joh 20,29).
Und so geht es dann weiter. Immer wieder das eine Thema: der Glaube. Der Glaube ist das österliche Thema, er ist das grundlegendste Thema, er ist das drängendste Thema in der heutigen Zeit. Die Kirche, zu der wir uns bekennen, ist nicht zuerst eine Aktionsgemeinschaft und auch nicht zuerst eine Interessengemeinschaft, sondern sie ist zu allererst Glaubensgemeinschaft. Das heißt nicht, dass nicht auch Interessen und Aktionen dazu gehören - die sind sogar sehr wichtig. Aber sie sind nur dann wirksam und fruchtbar, wenn sie aus dem Glauben entspringen.
Der Glaube ist nicht ein bloßes Gefühl und auch nichts Unverbindliches. In jeder heiligen Messe am Sonntag beten oder singen wir das Glaubensbekenntnis und nennen dabei die wesentlichen Inhalte des Glaubens. Glauben hat immer damit zu tun, dass ich mir Rechenschaft darüber gebe, was ich glaube. Es ist nicht egal, ob ich an die Auferstehung glaube oder stattdessen an die Wiedergeburt oder stattdessen vielleicht an gar nichts Bestimmtes. Glaube hat konkrete Inhalte, sonst könnten wir nicht zusammen das Credo beten.
Mindestens ebenso wichtig ist aber, wem ich glaube. Wenn mich irgendwo in der Stadt ein Mann anspricht und sagt: "Essen Sie bloß keine Bananen, die sind sehr schädlich!", dann werde ich nicht unbedingt finden, dass ich seinen Ratschlag befolgen muss. Wenn aber meine Mutter mir als Kind immer wieder sagte: Spinat ist gut für dich, denn da ist Eisen drin, dann fand ich diese Mahnung durchaus glaubwürdig, obwohl dem Anschein nach vieles dagegen sprach: Der Spinat sah nicht aus wie Eisen und schmeckte auch nicht wie Eisen. Und im Übrigen konnte ich mir nicht vorstellen, dass Eisen, von dem ich ja eine handgreifliche Vorstellung besaß in Form unendlich vieler Eisenschienen an der Bahnstrecke, an der wir wohnten - dass ausgerechnet solches Eisen, das ja die unangenehme Eigenschaft hat, zu rosten, besonders gut für meinen Körper sein sollte. Dennoch aß ich artig meinen Spinat, weil ich fest davon überzeugt war, dass meine Mutter mich auch in diesem Punkt nie anlügen würde, einfach weil sie es gut mit mir meinte. Und das half mir, auch gegen meine Erfahrung zu glauben.
Glauben hat also eine ganze Menge mit Beziehung zu tun, mit guter Beziehung. Wer zu Gott eine gute Beziehung hat, wer die Meinung und die Überzeugung hat, dass es ihn nicht nur gibt, sondern dass er sich auch um uns kümmert, dass er sich sorgt um uns, und dass er uns Menschen schickt, die uns Kunde bringen von ihm - ein solcher Mensch wird eher bereit sein zu glauben, das heißt auf Gott zu hören und darauf zu antworten, als einer, der diese Beziehung zu Gott nicht hat.
Im Hebräerbrief im Neuen Testament findet sich eine wichtige Stelle; da heißt es:
"Ohne Glauben aber ist es unmöglich, (Gott) zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird" (Hebr 11,6).
Warum es heute vielen Menschen schwerfällt, zu glauben, und was dazu zu sagen ist, dazu können wir uns in einem nächsten Beitrag ein paar Gedanken machen. Damit wir auch in Zukunft wirklich "durchglauben" können.
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