Von unserem katholischen Glauben kann man allerhand sagen, nur eins nicht: dass er langweilig und bequem wäre. Wenn Glaube und Kirche anfangen, uns zu langweilen, müssen wir uns fragen, ob für uns der Glaube nur noch im Religionsunterricht und nicht mehr im wirklichen Leben stattfindet.
Langweilig und bequem ist er gewiss nicht, unser Glaube. Er beschäftigt sich nämlich nicht mit den Nebensächlichkeiten unseres Lebens. Es geht vielmehr um die eine, alles entscheidende Hauptsache unseres Lebens: Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und so das ewige Heil zu erlangen.
Bequem ist unser Glaube deshalb nicht, weil wir keine Marionetten sind, die keinen Einfluss auf ihre Handlungen haben. Wir sind selbst für uns und für unser Heil verantwortlich. Wir müssen immer wieder die Entscheidung für Gott treffen. Das ist nichts für selbstzufriedene Spießer, das ist unbequem, es fordert uns, es ist die große Herausforderung, die große Aufgabe unseres Lebens.
Unser Leben steht unter dem Anruf Gottes. Die große Lebensaufgabe wird jedem gestellt, und keiner kann sich an ihr vorbeimogeln. Jeder muss die unbequeme und spannende Herausforderung annehmen, um das große Ziel zu erreichen.
Unmöglich? Menschlich gesehen, vielleicht. Aber unser Gott ist kein Gott, der den Menschen sich selbst überlässt. Er liebt uns. Er ist für uns Mensch geworden, am Kreuz gestorben und auferstanden. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Deshalb ist es nicht unmöglich, das Ziel zu erreichen. Im Gegenteil - jetzt haben wir die allerbesten Voraussetzungen, dass wir es schaffen können - wenn wir nur wollen. Und wenn wir das wollen, dann brauchen wir eines: einen lebendigen Glauben. Was aber gehört dazu?
"Kein Anschluss unter dieser Nummer!", tönt die Stimme im Telefon. So ein Ärger. Entweder habe ich die falsche Nummer, oder die Leitung ist defekt, oder...? Na egal. Das Gespräch, auf das ich mich so gefreut hatte, kommt jetzt jedenfalls nicht zustande. Wie oft ist es Dir schon passiert, dass ein Anschluss nicht zustande gekommen ist, ein Freund keine Zeit hatte, als Du ihn brauchtest, jemand, dem Du etwas sagen wolltest, Dir nicht zuhörte? Bestimmt schon oft. Solche unangenehmen Erfahrungen macht jeder in seinem Leben. Aber wenn wir fragen: Was gehört zu einem lebendigen Glauben, so können wir sagen: Das "Kein-Anschluß-unter-dieser-Nummer"-Phänomen taucht ganz bestimmt nicht auf. Denn Gott ist für uns da. Und zwar immer. Wenn wir mit ihm in Kontakt treten wollen, ist er bereit, hört uns zu und antwortet sogar: im Gebet. Natürlich ist es etwas anderes, mit einem Freund zu telefonieren als zu Gott zu beten. Oft können wir die Antwort Gottes nicht hören oder verstehen. Oft denken wir, es passiert doch gar nichts, weil wir
mit unseren Sinnen nichts wahrnehmen. Das ist aber ein großer Irrtum. Wir dürfen nur nicht versuchen, Gottes Größe in unsere Kleinheit hineinzwängen zu wollen. Und wir brauchen etwas Geduld und etwas Zeit. Und wenn man jeden Tag (mindestens morgens und abends) betet, den Kontakt zu Gott hält, dann wird man immer wieder erfahren, dass Gott uns immer zuhört und auch, auf seine Weise, antwortet.
Auf unserem Weg dem großen Ziel entgegen sind wir nicht allein. Wir sind keine Einzelkämpfer, nicht auf uns selbst gestellt. Und das ist auch gut so. Denn sonst wäre die Gefahr, das Ziel im Dickicht unserer Schwachheit, Mittelmäßigkeit und Sündhaftigkeit nicht zu erreichen, groß.
Christus hat diese Gefahr gekannt. Deshalb hat er die Kirche gegründet. Nur in der Gemeinschaft der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche haben wir die Gewissheit, alle Voraussetzungen, alle Hilfen zu bekommen, um unser Ziel erreichen zu können.
EIN GEHEIMNIS
"Begreife die Kirche, und du hast alles begriffen, was ein Mensch begreifen kann!" Das Geheimnis der Kirche zu ergründen, gehört zu unserer Aufgabe. Die Kirche, sie ist unsere Mutter, sie sorgt für uns, liebt uns und gibt uns alles, was wir auf unserem Weg benötigen, von der Geburt bis zum Sterbebett. Sie ist in allen wichtigen Situationen unseres Lebens für uns da, ausnahmslos. Sie ist die große Gemeinschaft der Menschen auf Erden, der Seelen im Fegfeuer, der Heiligen im Himmel. Sie trägt die Wahrheit des Glaubens durch die Jahrhunderte und wacht über diesen Schatz und zeigt den Menschen den richtigen Weg. Wer auf die Kirche hört, der hört auf Christus. Er hat die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Um auf unserem Weg immer weiter zu kommen, brauchen wir Gottes Hilfe, seine Gnade. Er schenkt sie uns vor allem in den heiligen Sakramenten. Sie sind die Quellen, an denen wir uns immer wieder aufrichten können und neue Kraft für das Weitergehen finden. Für unseren Alltag sind zwei Sakramente besonders wichtig: In der heiligen Beichte vergibt uns Christus unsere Sünden und schenkt uns wieder seine Gnade. Im Allerheiligsten Sakrament des Altares ist er selbst gegenwärtig und schenkt sich uns ganz. Deshalb sollte die regelmäßige Beichte und der häufige Besuch der Messe selbstverständlich zu unserem Alltag gehören.
Jeder Mensch hat Vorbilder und Ideale, denen er nacheifert. In der Kirche hat es zu allen Zeiten Menschen gegeben, die die große Aufgabe angepackt und das Abenteuer des Glaubens gewagt haben: die Heiligen. Sie haben sich auf den Weg gemacht und das große Ziel erreicht. Und ihr Vorbild zeigt uns, dass wir keine besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften benötigen, um das große Ziel erreichen zu können: So viele Heilige gibt es, so verschieden sind sie. Und vor allen Dingen waren es Menschen wie Du und ich. Sie haben uns gezeigt, dass es möglich ist, den Glauben wirklich zu leben. Wenn wir uns ihnen anvertrauen, werden sie uns helfen, uns begleiten und für uns bitten.
Die Königin der Heiligen aber ist Maria, die Mutter Gottes. Sie ist auch unsere Mutter und sorgt mit ihrer mütterlichen Liebe für uns. Vertrauen wir uns ihr an, stellen wir uns unter ihren Schutz.
Wer seinen Glauben wirklich leben will, wer sich aufmacht, das große Ziel zu erreichen, der hat ein starkes Programm vor sich: in der Gemeinschaft der Kirche, mit Hilfe der Sakramente und der Fürsprache Mariens und der Heiligen Christus entgegen. Das verspricht eine spannende Sache zu werden. Nichts für bequeme Langweiler, aber bestimmt etwa für Dich!
Denn: Gelebter Glaube ist eine spannende Sache.
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