"Das ist mein Leib!"

Wir müssen Jesus beim Wort nehmen

Von Pastor Manfred Stücker

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Zu einem Priester kam ein Mann, der sich über den Glauben lustig machen wollte und fragte: "Wie ist es möglich, dass aus Brot und Wein Fleisch und Blut Christi werden?" Der Priester antwortete: "Wenn schon dein Körper die Nahrung, die du zu dir nimmst, in Fleisch und Blut verwandeln kann, warum sollte Gott nicht auch das andere vermögen?" Der Mann gab sich nicht geschlagen: "Wie kann denn in so einer kleinen Hostie der ganze Christus zugegen sein?" Der Priester gab zur Antwort: "Eine Landschaft, die vor dir liegt, ist so groß und dein Auge doch so klein. Warum soll es denn nicht möglich sein, dass in der kleinen Brotsgestalt der ganze Christus zugegen ist?" Noch eine dritte Frage stellte der andere: "Wie kann derselbe Christus gleichzeitig in allen euren Kirchen zugegen sein?" Da nahm der Priester einen Spiegel und ließ ihn hineinschauen. Dann warf er den Spiegel zu Boden und sagte: "Auch in jedem einzelnen Stückchen kannst du dein Bild jetzt gleichzeitig sehen!"
Diese kleine Geschichte zeigt, dass auch viele Schwierigkeiten noch keinen Zweifel zuwege bringen müssen. Woher aber, so fragen manche, will die Kirche so genau wissen, was der richtige Glaube über die Eucharistie ist? Und ist nicht vielleicht so etwas wie Magie im Spiel, wenn die Kirche auf die Lehre von der Wesensverwandlung besteht? Kann man das als moderner Mensch denn glauben? Was sagt die Kirche selbst dazu?
Im Jahr 1529 kamen in Marburg die beiden Reformatoren Martin Luther und Ulrich Zwingli zu einem Religionsgespräch zusammen. Thema war das richtige Verständnis der heiligen Messe und der heiligen Wandlung. Zwingli war überzeugt: Was nach der Wandlung auf den Altar liegt, ist nur Brot. Aber es ist "heilig" in dem Sinne, dass es als Symbol dient: Es weist hin auf den Leib Christi. Luther widersprach dieser Meinung energisch. Er betonte: Wenn Gott sagt "Ist", dann meint er das auch so. Dann bedeutet das "Ist" auch ein "Ist" und nicht ein "ähnlich wie" oder "deutet hin auf". Luther sagte: "Das Wort ist zu gewaltig! 'Das ist mein Leib!' Daran kann man nicht herumdeuteln."
Leider war Luther selber nicht konsequent genug, denn er bekannte zwar die wirkliche Gegenwart Jesu im Augenblick des Empfanges der heiligen Hostie, er leugnete aber, dass diese Gegenwart andauert. Mit anderen Worten: Er leugnete die Wesensverwandlung (Transsubstantiation) des Brotes und des Weines in der heiligen Messe. Transsubstantiation bedeutet: Brot und Wein werden wesensverwandelt in den Leib und das Blut Jesu Christi. Was bleibt, sind die äußeren Gestalten, wie Farbe, Aussehen, Geschmack, Größe. Nach der Wandlung sind also auf den Altar nicht mehr Wein und Brot, auch wenn unsere Sinne diese Elemente wahrnehmen. Deshalb singen wir mit Thomas von Aquin auch zum Altarsakrament: "Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann."
Luther, Zwingli und die anderen Reformatoren waren nicht die Ersten, die Irriges über das Sakrament des Altares annahmen und lehrten. Schon 450 Jahre vor ihnen vertrat Berengar von Tours eine rein symbolische Auffassung der Worte Christi "Das ist mein Leib". Er musste darum im Jahre 1079 ein Glaubensbekenntnis ablegen, in dem es heißt, dass Brot und Wein in Fleisch und Blut des Herrn verwandelt werden.
Die Kirche kann nichts anderes tun, als in Treue zu Christus zu lehren, zu bekennen und zu handeln. Andernfalls würde sie sich selbst aufgeben. Christus selbst ist der Maßstab. Das gilt auch für die Eucharistie. Auch hier ist zuerst zu fragen: Was sagt Jesus selbst? Der Evangelist Johannes überliefert die "eucharistische Rede" Jesu, die Rede über das Himmelsbrot. Jesus hält diese Rede nach der wunderbaren Speisung einer Volksmenge. Man will ihn nach dem Wunder zum König machen; er aber zieht sich zurück. Jesus weiß, dass die Menschen das Zeichen nicht verstanden haben. Er sagt darum: "Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird." (Joh 6,27) Und damit jeder Zweifel ausgeschlossen ist, um welches Brot es sich hier handelt, sagt er weiter: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt." (Joh 6,51)
Schon für die Juden war das eine anstößige Aussage. Jesus tut jedoch nichts, um seine Aussage abzumildern. Im Gegenteil, er wiederholt und verstärkt sie. Er sagt, auch das Trinken seines Blutes gehöre hierzu (Joh 6,53).
Dass Jesus so deutlich spricht, kann nur bedeuten, dass er diese Worte so und nicht anders verstanden wissen wollte, so wie die Juden, die ihm zuhörten, seine Worte verstanden. Für sie war ja kein stärkerer Gegensatz denkbar als dieser: Jesus verheißt das Leben und behauptet zugleich, erst die Gemeinschaft mit seinem eigenen Fleisch und Blut werde dieses Leben schenken. Wer konnte sich das vorstellen? War doch "Fleisch", zumal wenn es vom "Blut" getrennt war, ein deutliches und sichtbares Zeichen für den leiblichen Tod! Warum kann, ja muss Jesus so sprechen? Wenn wir einmal auf das schauen, wozu Jesus gekommen ist und was er den Menschen schenken will: Ihm geht es ja darum, die Menschen von der Herrschaft des Bösen (der Sünde, des Todes) zu erlösen und sie der Herrschaft Gottes zuzuführen.
Im Angesicht seines Todes feiert Jesus mit den Aposteln das Pascha, die Feier des Bundes Gottes mit seinem Volk. Das Pascha ist der Rahmen, in den Jesus nun die neue Bundesstiftung einfügt. In dieser Paschafeier nimmt er nun Brot und Wein aufs neue in seine Hände. Brot und Wein sind für den gläubigen Juden Zeichen für die menschliche Not, die auf Gott vertraut, und zugleich für die wunderbare Hilfe Gottes, die sich insbesondere im wunderbaren Auszug aus Ägypten offenbart. Jesus nimmt das Brot und sagt: "Das ist mein Leib." Er nimmt den Wein und sagt: "Das ist mein Blut, das für viele vergossen wird." So wird deutlich: Der Neue Bund ist in Jesus selbst, in seiner Person begründet. Jesus ist der neue Moses, er ist das Evangelium, er ist das lebendige Wasser. Das Heil ist Gegenwart. Gott rettet sein Volk. Der höchste Erweis dieser Rettung ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Von der Auferstehung her muss verstanden werden, was Jesus im Abendmahlssaal gesagt und getan hat! Jesus ist auferstanden und kann deshalb bleibend anwesend sein. Als wirksames Zeichen des Heiles schenkt er sich in der Kommunion. Auch das ist ein wunderbares Geschehen: Der Leib Christi, den wir gläubig in der Kommunion empfangen, kann an mehr als nur an einem einzigen Ort zugegen sein. Es ist ja der Auferstehungsleib, mit dem wir uns verbinden. Für diesen Leib sind die Grenzen unseres Leibes nicht mehr vorhanden. Er kann überall zugegen sein. Noch wunderbarer ist, dass wir, obwohl wir einen sterblichen Leib besitzen, den Leib des Auferstandenen empfangen dürfen. Der Kirchenvater Ignatius, Bischof von Antiochien (* nach 107), kann darum sagen, dass die Eucharistie das Sakrament der Unsterblichkeit ist. Für uns bedeutet das alles, dass wir dem Sakrament der Eucharistie nicht nur mit Glauben und großer Ehrfurcht, sondern auch mit dem Verlangen begegnen, dass wir von Ihm, den wir empfangen, verwandelt werden. Wenn freilich von der Kommunion immer nur gesagt wird: "Da ist das heilige Brot", dann ist das zu wenig. Brot allein ist ja wiederum nur eine Sache, allenfalls ein symbolisches Zeichen. Natürlich ist die Eucharistie auch Symbol und heiliges Zeichen (das ist ja die Bedeutung des Wortes Sakrament), aber dem heutigen Menschen ist es wichtig, dass er in der Kommunion nicht irgend etwas empfängt, sondern dass sich eine wirkliche Begegnung mit dem auferstandenen Christus ereignet, mit dem wir uns in der Kommunion wirklich verbinden. In der heiligen Hostie ist Jesus Christus mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, wahrhaft, wirklich und wesentlich zugegen. Er teilt sich als geopferter und auferstandener Gottmensch an die Menschen aus. Das ist die gültige Aussage über die Gegenwart Christi im heiligen Sakrament. Diese Aussage ist so wichtig, dass wir sie auswendig wissen sollten. Es gehört zu dem Bestand an Glaubenswissen, den wir als "eiserne Reserve" bei uns tragen sollten.

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