Wenn man mich fragt, was ist denn so Besonderes an diesem Pfarrer, dann antworte ich - so wie er es selbst sicher auch getan hätte: eigentlich gar nichts. Weil er so gar nichts Außerordentliches zu bieten und auch keine schöne Gestalt hat, gerade darum leuchtet um so heller die Kraft Gottes durch, die ihn erfasst hat.
Er war von Hause aus ein einfacher Bauernsohn, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen. Am 8. Mai 1786 wurde er in Dardilly, einem kleinen Bergdorf bei Lyon in Südfrankreich, geboren und hatte noch fünf Geschwister. Es war die Zeit der Französischen Revolution, in der die Priester nachts heimlich in Scheunen die Messe lesen mussten, weil kirchenfeindliche Revolutionäre Jagd auf sie machten.
Es ist schon erstaunlich, dass er überhaupt Priester wurde, da er sich mit dem Lernen äußerst schwer tat, durch etliche Prüfungen fiel und seine Vorgesetzten ihm nichts zutrauten. Im Priesterseminar wollte man ihn schon nach kurzer Zeit abschieben, aber der Pfarrer von Ecully verbürgte sich für ihn, und so durfe er bleiben. Im Alter von 29 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Man wollte ihm nach der Weihe zunächst nicht die Beichterlaubnis geben, weil man ihn für unfähig hielt. Später hat er sein halbes Leben im Beichtstuhl verbracht und gerade dort Tausende von Menschen, die oft von weit her kamen, mit Gott versöhnt. Seine Predigten waren einfach und wohl nicht besser als die anderer Pfarrer in der Umgebung. Aber man musste ihn dabei erleben! Was er sagte, traf ins Herz. Er war das, was man heute nicht gern hört: ein überaus frommer Mensch. Das heißt, er war derart eng mit Gott verbunden, dass nahezu jeder, der ihn bei der Messe, beim Katechismusunterricht, bei der Beichte oder sonstwo erlebte, von seiner wirklich glühenden Gottes- und Nächstenliebe fasziniert war. Ungezählte Menschen bekehrten sich und änderten ihre Lebensweise radikal nach der Begegnung mit ihm. Es war keine Seltenheit, dass er im Vorhinein genau wusste, was jemand beichten wollte, obwohl er diesen Menschen noch nie zuvor gesehen hatte. Seine Gemeinde in Ars blühte sehr bald auf. Er wurde der beliebteste Beichtvater weit und breit. Priester aus den Nachbargemeinden holten ihn, damit er bei ihnen predige.
Sehr viele Wunder geschahen in seinem Leben, denen er selbst aber gar keine Beachtung schenkte. Halb Frankreich pilgerte zu ihm, und es wurde sogar eine eigene Postkutschlinie von Lyon nach Ars notwendig.
Viele Menschen mussten fast eine Woche in Ars warten, bis sie bei der Beichte an der Reihe waren, obwohl der Pfarrer Tag und Nacht im Beichtstuhl saß und jahrelang nachts nur noch zwei oder drei Stunden schlief, das Ganze bei kärglichster Ernährung.
Zu erwähnen ist noch, dass er Hass, Neid, Verleumdungskampagnen von Menschen und immer wieder Versuchungen des Teufels ausgesetzt war, eine Reaktion seiner Umgebung, wie wir es von Jesus selbst kennen.
Im Alter von 74 Jahren starb Johannes Baptist Vianney. An seinem Todestag, dem 4. August, feiert die Kirche sein Fest. Der Pfarrer von Ars ist der Patron der Priester.
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