Nicht nur im Advent: Zeit finden für Gott

Gedanken zur Vorweihnachtszeit

Von Kpl. Ulrich Filler

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Nein, wie die Zeit vergeht! Jetzt ist bald wieder Weihnachten. Das Jahr war so kurz... Und ist der Advent schon wieder da. Die Adventszeit ist traditionell die "stressigste" Zeit im Jahr. Die Veranstaltungen überschlagen sich. Ganz abgesehen von dem vorweihnachtlichen Geschäftstrubel, der Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken, den Vorbereitungen in Haus und Küche (hat sich schon die "liebe" Verwandtschaft angesagt?) quillt das Weihnachtsfeierangebot in Pfarrgemeinden, Kindergärten, Schulen und Vereinen schier über. Keiner möchte auf die behagliche Runde, den heißen Glühwein oder Tee, das Weihnachtsgebäck und ähnliche Zutaten für eine gediegene "Weihnachtsstimmung" verzichten. Ganz zu schweigen von den großen und kleinen Weihnachtsmärkten, die mit ihrer Mischung aus Rudolf-the- Red-Nose-Rentier, Süßer-die-Glocken-nie-klingen, handgeschnitzten Figuren aus dem Erzgebirge, Popcorn und Plastik-Spielzeugpanzern für die Kleinen von Jahr zu Jahr gruseliger werden. Immer wieder nehme ich mir vor, wenigstens in diesem Jahr dieser Weihnachtstrubelversuchung zu widerstehen. Weihnachtsfeier im Schützenverein? Muss ich ja nicht unbedingt hin. Super-Sonder-Weihnachts-Fernsehprogramm mit erstklassigen Spielfilmen (zum ersten Mal im Free-TV) - kann ich ja abschalten. Und wenn ich durch die Einkaufsstraße gehen muss, dann kann ich das aus allen Ecken und Plätzen schallende "O-Tannenbaum"-Gedudel ja einfach überhören, während ich geschickt den überall postierten Weihnachtsmännern der Kaufhäuser ausweiche.
Aber nie gelingt es mir wirklich, meinen guten Vorsatz durchzuhalten. Da gibt es eben doch wieder Veranstaltungen, denen ich mich nicht entziehen kann, auch möchte ich dem ein oder anderen mit einem kleinen Geschenk eine Freude machen. Aber wir wollen mit der Jammerei aufhören. In den meisten Fällen ist dieser "Stress" selbst gemacht. Jeder kann entscheiden, wieviel Vorweihnachtsprogramm er genießen möchte. Und vielleicht ist es auch falsch, gerade in der Adventszeit eine besonders tiefe geistliche Erfahrung zu erwarten. Warum soll ich gerade in diesen Wochen "Zeit finden für Gott", wenn ich das ganze Jahr über keine Zeit für Gott finde? Oder andersherum: Wer als Christ mit Gott lebt, wer versucht, ihn durch das Gebet am eigenen Leben, an den kleinen und großen Sorgen und Freuden teilhaben zu lassen, wer sich von Gott getragen und umfangen weiß, wer sein Leben mit allen Fehlern und Schwächen immer wieder in der Beichte dem Herrn entgegenhält, um aus seiner Vergebung heraus zu leben, wer sich Sonntag für Sonntag in der Liturgie der Kirche, in der Feier des Opfers Christi unter das Kreuz stellt und Christus selbst in der hl. Kommunion empfängt, der hat Zeit für Gott, der findet Zeit für Gott - auch im Trubel der Weihnachtszeit.
Der hl. Franz von Sales hat gesagt, man solle jeden Tag eine halbe Stunde für das Gebet reservieren. Nur nicht an den Tagen, an denen es wirklich viel zu tun gibt, an denen der "Stress" besonders groß ist. Da sollte aus der halben Stunde mindestens eine ganze Stunde werden. Und wenn das mal wieder nicht gelungen ist, wenn ich am Abend eines stressigen, turbulenten, aufregenden Tages feststelle, dass ich wieder keine Zeit hatte für Gott, dann darf ich mich doch ins Bett legen und wissen: Er hat Zeit für mich. Er freut sich auch über einen kurzen Gedanken an ihn, über das kleine Gebet am Abend, das den Tag in seine Hände zurücklegt. Und den guten Vorsatz für den nächsten Tag.

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